Licht 2.0

Lichtkunst


29. Nov. 2020 bis 10. Januar 2021

Licht 2.0
© Lukas Leonhardt Medienproduktion

Der Neue Pfaffenhofener Kunstverein zeigt Lichtkunst ab Dezember

An einem Lichtblick am Ende des Tunnels arbeitet kurzfristig der Neue Pfaffenhofener Kunstverein, denn ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Aktivitäten.


Auf Einladung der Stadt kuratiert der Kunstverein ab dem 29. November die Ausstellung „Licht 2.0“ mit Lichtkunst, Kinetik und Projektionen an verschiedenen Orten der Pfaffenhofener Innenstadt. An dem Projekt nehmen die im Kunstverein bekannten und geschätzten Künstler Sebastian Klein und Markus Jordan aber auch der Kalifornier Victor Cartagena, die Münchnerin Veronika Veit, Susann Dietrich aus Lemgo sowie der Nürnberger Achim Weinberg teil. Susann Dietrich, die ihre Arbeit "SINUSOID" in der Galerie kuk zeigen wird, sagt von sich selbst: "Mein Interessenschwerpunkt gilt der Alchemie des Lichts."


Als Ausstellungsorte fungieren u.a. die Schaufenster einer ehemaligen Bäckerei, der Pfaffenhofener Hungerturm, die Arlmühle im Bürgerpark sowie die Ilminsel. Alle Orte teilen ihre gute Einsehbarkeit und erfüllen alle Hygiene-Auflagen.


Künstler*innen:

Victor Cartagena

"Schuldenturm", Stadtgraben

Victor Cartagena gräbt den wahren Namen des in Pfaffenhofen "Hungerturm" genannten Denkmals aus - es war eigentlich der "Pfänderturm", in dem die Stadtjustiz die säumigen Schuldner einsperrte: Heute würde man sie "Privatinsolvente" nennen.


Schulden spielen auch in der Weltwirtschaft des kapitalistischen Systems schon lange eine tragende Rolle. Die Schulden der Entwicklungsländer zeichnen verantwortlich für weltweite Armut und die Flucht. Das System des Kapitalismus versklavt aber auch seine eigenen Bürger durch private Überschuldung. Westliche Staaten wie die USA oder Italien sehen sich einer immer bedrohlicheren Schuldenlast gegenüber.


Die öffentlichen "Schuldentürme" wachsen. Die daraus resultierenden Folgen verursachen Insolvenzen, Enteignung, staatliche Handlungsunfähigkeit und private, familiäre Tragödien. Cartagenas Arbeit ist ein Mahnmal, das aber auch Hoffnung machen und einen Ausweg zeigen möchte.

"Exodus" ("Schuldenturm" 2.Teil), ars videndi Kunsthandel, Hohenwarterstraße 71. Im zweiten Teil seiner Installation, greift Cartagena die Motive des "Schuldenturms" wieder auf. In einer gigantischen Projektion auf ein zentrales Gebäude an der Hohenwarterstraße schafft er dabei aber zugleich eine neue urbane Situation.


So setzt er ein Zeichen für die Veränderbarkeit der Gesellschaft und einen immer möglichen Neuanfang. Inmitten einer sich zuspitzenden Krise schafft er damit ein Zeichen des Auswegs und der Hoffnung.


Victor D. Cartagena (*1965) begann seine Karriere in den frühen 1980er Jahren, seither ist er auf nationaler wie auch internationaler Ebene tätig. Er zeigte seine Werke in Galerien und Museen in zahlreichen Staaten der USA, Lateinamerika, Japan und Europa. Seine Arbeiten wurden in viele private sowie Kunstsammlungen von Museen aufgenommen. In den USA wurde er wiederholt mit hochdotierten Kunstpreisen ausgezeichnet.


Susann Dietrich

"SINUSOID", Galerie kuk, Auenstraße 44

Die Künstlerin bespielt die Räumlichkeiten der Galerie und verwandelt sie mit Hilfe des Lichts in einen gleichsam außerirdischen Ort. Diese Vorgehensweise folgt der Philosophie der Künstlerin, wonach Gegenstände nicht exisitieren – Gegenstände werden im Geist konstruiert, z. B. im menschlichen Geist, sie existieren aber nicht an sich.


Akzeptiert man dies und betrachtet einen im Geiste konstruierten Gegenstand, so kann man ihn phänomenologisch untersuchen, nämlich wie er scheint und nicht wie er ist, schließlich ist er ja gar nicht.


Susann Dietrich (*1984) ist bildende Künstlerin (Meisterschülerin), diplomierte Kommunikationsdesignerin und Forscherin im Bereich der ästhetischen Bildung. Ihr Interessenschwerpunkt gilt der Alchemie des Lichts.


Markus Jordan

"Licht am Ende des Tunnels", Ilminsel

In einem Kubus wird mit fluoreszierenden Fäden ein liegender Zylinder geschaffen, der sich durch Rotation einer Grundfläche zu einem Hyperboloid und wieder zurück verformt.


Plaziert im düsteren Bereich des Ilmufers, kann die Installation Ihre magische Wirkung entfalten, besticht durch die Wirkung aus der Ferne und beeindruckt durch ihre Dimension wenn man direkt davor steht. Das Spiel mit der Perspektive lässt den Betrachter ein Gefühl dafür bekommen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.


Markus Jordan (*1975) arbeitet seit 1996 künstlerisch mit dem Medium Licht. Seit 2002 selbständige freischaffende Tätigkeit mit Atelier in Ingolstadt. 2011 begeisterte er die Besucher des Pfaffenhofener Islandfestivals mit seinem "Geysir". Seit 2015 am Stadttheater Ingolstadt als Requisiteur tätig. Freischaffender Bühnenbildner: Paradiesspiele Pfaffenhofen "Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies", "Frankenstein" Altstadttheater Ingolstadt. 2019 erhielt er den Kunstförderpreis der Stadt Ingolstadt


Sebastian Klein

"THE HAPPINESS ORGANIZATION" Schulstraße 23

Bezugnehmend auf den Film "The Beach" aus dem Jahr 2000 beschäftigt sich diese raumübergreifende Installation "THE HAPPINESS ORGANIZATION" mit den Ängsten und Träumen der Gesellschaft. Dabei werden Themen wie Corona, Fake News und Verschwörungstheorien aufgegriffen. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen.


Book your flight to a magical place!

Sebastian Klein (*1982) studierte Freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, 2020 bei "Vierte" des Neuen Pfaffenhofener Kunstvereins. 2011 Kulturförderpreis der Stadt Pfaffenhofen, 2016 Diplompreis des Akademievereins München.


Veronika Veit

"Dirt as a Pet", Filminstallation, Hohenwarter Straße 37

Der Film diskutiert die vertragliche Vereinbarung eines Paares, die von der Frau in Frage gestellt wird. Im Laufe des Filmes wird nicht nur die Vereinbarung zur möglichen Wahrheit sondern auch die Welt in der sich das Paar bewegt und schließlich auch die Rollen der beiden als Mann bzw. Frau. Alles ist nur ein mögliches Modell, sogar der Schmutz bekommt durch einen Perspektivwechsel eine neue Rolle.


Veronika Veit (*1968) studierte an der Akademie der Bildenden Künste München (Diplom 1995). Sie stellte unter anderem im Münchener Haus der Kunst, der Kunsthalle Hamburg und im Museum of Contemporary Art of Rio Grande do Sul (Brasilien) aus. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt das Stipendium der Prinzregent-Luitpold-Stiftung, München


Achim Weinberg

"Wasser ist Gold", Betriebshaus der Arlmühle, Bürgerpark

Weinbergs Arbeit will zeigen, dass Wasser so wertvoll ist wie Gold. Die von ihm im Innenraum des Betriebshauses der Arlmühle platzierten Leuchtkästen ergeben in dieser Anordnung (3 x quer aufeinandergestellt) eine Größe von 80 x 195 cm. Sie sind Schmuckschatullen, Brutkästen, archäologische Vitrinen und zugleich einfach wunderschön.


“Als ich von dem Kunstprojekt Licht 2.0, und von der Arlmühle als möglichem Ort erfuhr, faszinierte mich, dass die Kraft des Wassers hier schon seit fast 900 Jahren genutzt wird“, so Weinberg. Und weiter: „Wasser ist vielleicht der elementarste Stoff, der unsere Existenz ermöglicht – ein Leben ohne Wasser ist unmöglich. Das Wasser aus der Leitung ist für die meisten von uns eine Selbstverständlichkeit.


Wie wertvoll Trinkwasser wirklich ist, zeigt sich erst durch den Mangel, wie er in vielen Ländern z. B. durch Dürre oder durch die Kommerzialisierung des Wassers auftritt. Es bleibt abzuwarten, ob und wann wir diesen Wert in unserer Region zu schätzen lernen werden.“


Achim Weinberg (*1969) begegnete durch die Tätigkeit seines Vaters Ulli Weinberg schon früh Kunst, Grafik, Technik und Fotografie. 1986 Mitarbeit am künstlerischen Projekt Ulli Weinberg, Impuls 86, Ausbildung in den Bereichen Grafik, Fotografie, Konstruktion und Modellbau im väterlichen Betrieb. Danach Studium bei Christine Colditz, Klasse Freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg (Meisterschüler).


2006 Lehrauftrag für Fotografie und dreidimensionales Gestalten an der Universität Erlangen-Nürnberg. Zurzeit sind seine Arbeiten Teil der Ausstellung „Exploring Botany“ im Museum für Japanische Kunst und Technologie Manggha in Krakau, Polen.

In Kooperation mit der Stadt Pfaffenhofen


Wir danken: Stadtwerke Pfaffenhofen, Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG, LichtPunkt Pollex, ars videndi Kunsthandel, kuk Galerie, meteg, Wiesender.


Die Ausstellung findet täglich von 17 bis 21 Uhr statt.