Landpartie 1-3

Ausstellungsreihe


28. April bis 13. Mai 2012

Landpartie 1 bis 3

Eine Ausstellungsreihe ausgesucht von Benedikt Hipp

Noch immer ist der Verzehr von Pilzen mit Vorsicht zu genießen!

28. April bis 13. Mai 2012


Landpartie 1: Frank Hutters „seltene Vögel” im Bahnhof

Bei der ersten Ausstellung des Neuen Pfaffenhofener Kunstvereins im Jahre 2008 war Benedikt Hipp noch einer von vier Künstlern, deren Werke der soeben gegründete Verein zeigte. Nun, vier Jahre später hat der in München geborene und in Pfaffenhofen aufgewachsene Hipp eine beachtliche Entwicklung gemacht. Kunst-Sammlungen wie die der Deutschen Bundesbank oder der Pinakothek der Moderne haben inzwischen Arbeiten des Scully-Schülers erworben.


Hipp, 2005 mit dem Kulturförderpreis der Stadt Pfaffenhofen ausgezeichnet, stellte in den Niederlanden, Frankreich, an der Frankfurter Schirn oder der Art Basel aus. Dem Neuen Pfaffenhofener Kunstverein blieb der Maler und Bildhauer die Jahre über verbunden und steht nun Pate für drei junge Künstler aus München, die er zu Ausstellungen im Kunstverein eingeladen hat.


Die Ausstellungsreihe trägt den Titel „LANDPARTIE 1–3: Noch immer ist der Verzehr von Pilzen mit Vorsicht zu genießen” und den Anfang machte der 1969 in Freising geborene Maler Frank Hutter, der wie Hipp bei Professor Sean Scully an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert hat. RARA AVIS, so nennt Frank Hutter seine Arbeiten, seine „seltenen Vögel”-Bilder, die zumeist einen sitzenden Vogel vor einer entfernten Landschaft zeigen und trotz einer Vertrautheit mit dem Sujet eine eigenartige Irritation auslösen. Der Beschauer merkt bald, dass das, was er sieht, nicht das ist, was er denkt.


Das Motiv des Rara Avis, auch wenn es einer fast lebenswirklichen Natürlichkeit ähnelt, trügt und wer sich mit Ornithologie beschäftigt, wird schnell feststellen, dass die Vögel, wie sie in Hutters Malerei existieren, in der Natur nicht vorkommen. Es sind Kompositionen, die mit äußerster Feinheit und Könnerschaft konzipiert und gemacht wurden. Es sind romantische Bilder – Romantik in ihrem eigentlichen Sinne begriffen, als kritischer Pol gegenüber allen vermeintlichen Klarheiten, die eine standardisierte Vernunft verheißen mag – und echte Bilder, im Sinne einer ausgewogenen Wahrnehmung von Material und Motiv.


In Frank Hutters Werk geht um sehr vieles – die Konditioniertheit des Blickes, um scheinbar objektive Techniken, um Ästhetik und Gefallen, um kunstgeschichtliche Kenntnis, die Frage nach Original und Replik, um Vervielfältigung und Wiederholung, die Aura, um all das, mit dem sich die bildende Kunst seit Anbeginn beschäftigt – und um nichts:


Das Nichtvorhandensein einer Intention, eines narrativen Moments, eines zeitlichen Bezugs, einer symbolischen oder allegorischen Bedeutung. Das alles in einem geradezu magischen Verhältnis von Vernunft und Gefühl komponiert und in einem einzigen Werk verdichtet. Ein Bild, das gemalt wird, um als Bild zu existieren. Nicht als Träger einer sakralen Lehre, einer politischen Gesinnung, eines kunsttheoretischen Ausdrucks. Das Bild existiert um seiner selbst willen.


In Anwesenheit von Frank Hutter und Benedikt Hipp eröffnete der Neue Pfaffenhofener Kunstverein am 27. April um 20 Uhr die Ausstellung RARA AVIS im Kunstverein am Bahnhof. Die Ausstellung war bis zum 13. Mai geöffnet.


Landpartie 2: Noch immer ist der Verzehr von Pilzen mit Vorsicht zu genießen!

Wolfgang Kaiser

20. Juli bis 5. August 2012


Stadt aus Gold – Installation

Die zweite Station der künstlerischen Landpartie des Neuen Pfaffenhofener Kunstvereins bestreitet der 1965 in Baden-Württemberg geborene Wahl-Münchner Wolfgang Kaiser. Der Bildhauer, den Benedikt Hipp nun für den Kunstverein nach Pfaffenhofen einlädt, war Meisterschüler von Stephan Balkenhol an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und setzt sich in seinen Installationen formal mit Material, Bedeutung und Wirkung von Skulptur auseinander.


Wolfgang Kaisers Installationen sind die Schauplätze absurder Ereignisse und bevölkert mit Kaiser’schen Kunstfiguren, er verfremdet mit bescheidenen Eingriffen und Ironie die Eindeutigkeit bestehender Verhältnisse und Situationen, indem er sie mit neuen Bedeutungen auflädt. 2005 war Wolfgang Kaiser Stipendiat der Villa Massimo in Rom, er hat in zahlreichen Galerien und Museen ausgestellt.


Sein Lehrer Stephan Balkenhol sagt über ihn: „Er nimmt die Lupe aus der Tasche und schaut genauer hin, interessiert sich für das, was unter den Teppich gekehrt wird. Ganz beiläufig, sensationell unspektakulär, polt er unsere Erwartungen um, bürstet die gewohnte Dramaturgie gegen den Strich.” Die Installation „Stadt aus Gold” die Wolfgang Kaiser in der Kulturhalle aufbaut, ist erstmalig und einmalig in Pfaffenhofen zu sehen. Wie genau das Werk nach der Aufbauphase aussehen wird, weiß selbst der Künstler nicht.


Landpartie 3: Noch immer ist der Verzehr von Pilzen mit Vorsicht zu genießen!

Felix Burger

15. bis 30. September 2012


Grand Central Station im Bahnhof Pfaffenhofen

Die Ausstellungstrilogie „Landpartie – Noch immer ist der Verzehr von Pilzen mit Vorsicht zu genießen” des Neuen Pfaffenhofener Kunstvereins geht nun in die letzte Runde. Das Finale bildet die Schau „Grand Central Station” des Münchner Künstlers Felix Burger, die von Freitag, den 14. September bis Sonntag, den 30. September im Pfaffenhofener Bahnhof zu sehen sein wird.


Der 30-jährige Felix Burger, dessen erste Einzelausstellung gerade in Berlin stattfand, hat in München, Wien und Köln studiert; seine Abschlussarbeit wurde mit dem Diplompreis der Steinerstiftung ausgezeichnet.


2010 lebte er als Artist in Residence in New York, seit einem Jahr hat Burger ein Stipendium der Kunststiftung NRW und arbeitet zumeist in Düsseldorf. Felix Burger arbeitet mit verschiedenen Medien; hauptsächlich jedoch nutzt er Film und Video, die er dann in Projektionen oft mit Installationen kombiniert. In seinen Werken kommt es zu einer Verwischung der Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit: so werden beispielsweise historische Fakten vermengt mit autobiographischen Ereignissen.


Für Pfaffenhofen hat Felix Burger, der wie zuvor Frank Hutter und Wolfgang Kaiser von Benedikt Hipp für die Ausstellungsreihe „Landpartie I–III” eingeladen wurde, eine neue Arbeit geschaffen und sich dabei von der Räumlichkeit der alten Gepäckhalle, die der Kunstverein mit Burgers „Grand Central Station – Pfaffenhofen” nun letztmalig bespielt, inspirieren lassen.


Durch die Verlegung von Architekturfragmenten der Grand Zentral Station in New York – das plastische Nachstellen einer der berühmtesten Fotografien der Welt – wird der Raum umgedeutet, vorhandene Relikte wie z. B. die Bahnhofsuhr korrespondieren mit der künstlichen Intervention. Das Licht von Manhattans Lower Eastside fällt in die Bahnhofshalle von Pfaffenhofen.


Durch die akustische Ebene sowie dem Monitor, der an einem Überwachungsmonitor erinnert, wird der Bahnhof zur mentalen Metapher, die „Grand Central Station Pfaffenhofen” wird zum Wartesaal vor der Fahrt ins kollektive Verderben.


Auch hier werden reale historische Ereignisse für Burgers fiktionale Geschichte genutzt und umgewertet. Am Freitag, den 14. September wird Burgers Inszenierung, die ebenso wie seine bekannten Arbeiten „Warum ich lieber Märchenkönig als Künstler geworden wäre” oder „Missionary and Tramp” Anspielungen auf biographische Eckdaten des Künstlers mit Verweisen auf historische Ereignisse zu narrativen, fingiert dokumentarischen Schilderungen verbindet, in Anwesenheit Felix Burgers und seines Kollegen Benedikt Hipp ab 20 Uhr bei freiem Eintritt eröffnet.