WUNDERKAMMER – Vom Werden und Wachsen der Kunst

Eine Ausstellung von Marc Köschinger

13. bis 27. November 2011

Der Begriff „Wunderkammer” bezeichnet eine seit dem Mittelalter von Adeligen, Kirchenfürsten oder Patriziern angelegte Sammlung von skurrilen, seltenen, grausigen oder unerklärlichen Objekten und Artefakten aus der Natur oder Kunst. Diese Anhäufung von Abnormitäten befriedigte die Sensationslust und steigerte das Ansehen ihres Besitzers.
Jahrhunderte später findet sich jene bizarre Auslese dann in den heute bekannten Museen wieder, in denen die Gegenstände – mehr oder weniger wissenschaftlich erklärt und somit ihrer Faszination beraubt – manchmal leider ihr Geheimnis verloren haben.
Der Künstler Marc Köschinger zeigte in seiner Ausstellung vom 13. bis 27. November 2011 in der ehemaligen Gepäckaufbewahrung des Bahnhofs Pfaffenhofen/Ilm bei München, anknüpfend an diese alte Tradition, eine von Ideenreichtum geprägte „Wunderkammer” aus seiner künstlerischen Gedankenwelt.
Die Ausstellung, erarbeitet und geplant zusammen mit den Kuratoren des Neuen Pfaffenhofener Kunstvereins, der in jüngster Vergangenheit mit Exponaten von Joseph Beuys, Oliver Mark, Eduard Luckhaus, Michael Wesely u. a. für Furore gesorgt hat, verdeutlicht die ersten Ansätze, das „Davor”, einer in sich abgeschlossenen, vollendeten Kunst, wie sie in derartigen Schauen üblicherweise präsentiert wird.
Die Ausstellung war der Versuch, die Vergangenheit des Künstlers, die vor allem in jüngerer Zeit durch viele Veränderungen und Umbrüche gekennzeichnet ist, als sichtbar gewordenes Gedankenkonstrukt darzustellen, also eine „Wunderkammer” aus der Phantasie des Kunstschaffenden. Nachhaltige Eindrücke aus seiner Kindheit und Jugend in Südamerika prägen den in München geborenen Künstler bis heute: die überbordende Fülle der Natur, das Werden und Vergehen einer für uns unvorstellbaren Vegetation, das archaische Brauchtum einer tief religiösen einheimischen Bevölkerung, welche heidnische Traditionen mit erzkatholischen Riten zu farbenprächtigen, teils grellen, in jedem Fall aber imposanten Zeremonien zu verbinden wusste. Auf seine Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1992 folgten eine Ausbildung zum Fotografen und ein Studiengang für Multimediales Design in München. Bis ca. 2007 arbeitete Köschinger für internationale Lifestyle-Magazine und Fernsehsender.
Obwohl seit seiner Kindheit ununterbrochen künstlerisch tätig, konzentrierte er sich danach zunehmend auf sein Schaffen als freier Künstler. Seit 2010 kommt er zudem einer Berufung als Dozent an der Kath. Universität Eichstätt/Ingolstadt, der Media Design Hochschule in München sowie der Akademie der Populären Künste in Nürnberg nach.
Die Ausstellung war ein Experiment, all das von Marc Köschinger Erlebte, seine reichen Empfindungen und daraus erwachsende Gedankenskizzen sowie neu sich herauskristallisierende Ideen in ihrer Ursprünglichkeit festzuhalten. Sie zeigte eben nicht – wie üblich – das fertige künstlerische Ergebnis, sondern Wachsen und Werden einer bunten Vielfalt kleiner Impulse wie auch Inspirationen, welche sich als verschiedenartige künstlerische Ausdrucksformen zu künftigen Ausstellungen verdichten und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.