Island in Pfaffenhofen

Kulturfestival

21. bis 23. Oktober 2011

„Island in Pfaffenhofen” begeisterte rund 8000 Besucher
Schon von weitem war in der Pfaffenhofener Innenstadt ein rauchender Vulkan auszumachen, in der Nacht spuckte er sogar „Lava”, während gleich nebenan der beleuchtete Götz-Geysir minütlich eine 20 Meter hohe Wasserfontäne in den Himmel schoss. Am Wochenende war Island zu Gast in Pfaffenhofen. Der Neue Pfaffenhofener Kunstverein hatte sich dieses Spektakel ausgedacht und dazu nicht nur den auf große Installationen spezialisierten Ingolstädter Künstler Markus Jordan eingeladen, sondern vor allem sieben Künstler aus Island und sieben Moderatoren, Schauspieler und Autoren aus Deutschland. Darunter u.a. Hallgrímur Helgason, Einar Kárason, Yrsa Sigurdardottir, Nora Gomringer, Sigurbjörk Thrastardotottir, Kristof Magnusson und Tilman Spreckelsen. Die Veranstalter, allen voran der Kunstvereinsvorsitzende und ehrenamtliche Kulturreferent Steffen Kopetzky ziehen jetzt eine überaus positive Bilanz des Wochenendes, das mit hochkarätigen Veranstaltungen für die ganze Familie nur so gespickt war: 8000 Besucher habe man an den drei Tagen gezählt. Vor allem am Sonntag strömten zahlreiche Gäste aus dem Pfaffenhofener Land, aus Ingolstadt, München, Rosenheim, Landshut und sogar aus dem Allgäu bei herrlichstem Sonnenschein auf das Festival-Gelände zwischen Schwarzbach und Ilm. Zusammengenommen allein 700 vorwiegend junge Leute tanzten bis 4 Uhr früh auf die Beats von DJ Margeir bei der Elektroparty im Alten Meßwerk. 80 Liter Brennivin habe das Kunstvereins-Team insgesamt ausgeschenkt – zumeist in Form von eigens kreierten Cocktails, die selbst bei den Isländern Staunen und ordentlichen Durst auslösten. Die drei „Heißen Töpfe”, in denen meist reger Badebetrieb herrschte – Kinder und Erwachsene gleichermaßen hielten es darin Stunden lang aus – waren mit 5000 Litern Wasser befüllt und wurden mit einem Festmeter Brennholz auf die in Island übliche Temperatur von 40 Grad geheizt. Die Wikinger, die ab Freitag Nachmittag ihre Zelte auf der Insel aufschlugen und dort auch bei Minustemperaturen übernachteten – echte Nordmänner sind halt nicht zimperlich – beindruckten so manchen Besucher mit ihrem Wissen über die Welt der oft ganz zahmen Horden. Auch mit dem Klischee der Hörnerhelm tragenden Raufbolde räumen sie auf: echte Wikinger trugen keine Hörner, das gibt es nur bei „Wickie”. Während sie Gemüse-Eintopf über dem offenen Feuer zubereiteten, konnte sich der hungrige Festival-Gast im Brennivin-Zelt mit Wikinger-Burgern und Hotdogs à la Island stärken und dem Folk-Sänger Steini lauschen, der unnachahmlich verträumt an allen drei Tagen aufspielte und von allen sofort ins Herz geschlossen wurde. Er äußerte kurz vor seinem Rückflug nach Reykjavik, dass man nach diesem gelungenen Fest in seiner Heimat nun eigentlich „Pfaffenhofen in Island” veranstalten solle. Steini war es auch, der den Festival-Machern seine isländische Kollegin Lovísa Elísabet Sigrúnardóttir alias Lay Low empfohlen hatte. Und dafür waren ihm das zahlreich erschienen Publikum und das ganze Veranstaltungsteam dankbar. Lay Lows Auftritte am Samstag und Sonntag waren Sternstunden und ihre zauberhafte Stimme und die melancholische Poesie ihrer auf isländisch und englisch vorgetragenen Lieder werden wohl jedem lange in Erinnerung bleiben. Den Schlusspunkt unter das in Gänze gelungene Wochenende, bei dem jede Lesung gut gefüllt bis ausverkauft war, setzte dann die Schauspiellegende Lambert Hamel. Er trug die Ereignisse um den Untergang des isländischen Passagierschiffes Godafoss vor. So war das letzte Bild das eines mit schwertgleicher Gischt heranrasenden Torpedos – ein verblüffendes Ende eines sagenhaften Festivals. Steffen Kopetzky bedankte sich ausdrücklich bei allen Mithelfern, bei den lokalen Firmen, die den Neuen Pfaffenhofener Kunstverein mit Ideen, Sachwerten und massivem Sponsoring, wie im Falle der Firma Götz, unterstützt hatten sowie bei dem Bayerischen Kulturfonds und der Stadt Pfaffenhofen und kurz bevor das große Aufräumen begann, spielten Lay Low und Steini ihr allererstes Duett – als Dankeschön für alle glücklichen Helfer.
Seit 2009 bestand der Kontakt zur isländischen Kampagne „Sagenhaftes Island” und Ende 2010 hatte das dreiköpfige Kernteam mit den konkreten Planungen für das Festival begonnen. Langsam aber stetig vergrößerte sich die Mannschaft des Kunstvereins, um bis zum Festival selbst schließlich auf knapp 50 Aktive anzuwachsen, die während der 44 Stunden an den über die Stadt verteilten sechs Spielstätten für einen reibungslosen Verlauf der künstlerischen Veranstaltungen, des Ausschanks oder des Badebetriebs sorgten. Das Sicherheitspersonal musste koordiniert, unzählige Cocktails gemixt, Künstler vom Flughafen geholt und wieder dorthin gebracht, zwischendurch auf die Schnelle die Podien technisch eingerichtet und schließlich, Sonntagnacht um 23 Uhr, das große Brennivin-Zelt ausgeräumt werden. „Island in Pfaffenhofen” war nicht nur ein programmatischer Höhepunkt des erst 2007 gegründeten Vereins, sondern auch ein organisatorischer. Das mag auch vielen Besuchern positiv aufgefallen sein – und so kann sich der Kunstverein über fast zwanzig neue Mitglieder freuen.