Die Ungestümten

Eine Ausstellung von Corinne von Lebusa und Kristina Schuldt

2. bis 10. Juli 2011

Der Neue Pfaffenhofener Kunstverein feierte am 2. Juli 2011 die Eröffnung der Ausstellung „Die Ungestümten” in der alten Gepäckhalle im Pfaffenhofener Bahnhof. Die Ausstellung zeigte Malereien von Kristina Schuldt und Zeichnungen und Collagen von Corinne von Lebusa, die beide in Leipzig leben und arbeiten. So mancher Besucher wollte die beeindruckenden Bilder sofort nach Hause tragen und erkundigte sich bei Kurator Christoph Ruckhäberle nach den Preisen der Arbeiten der beiden Neo-Rauch-Schülerinnen. Ruckhäberle, Gründungsmitglied des Kunstvereins und selbst Künstler der Leipziger Schule hatte in seiner Begrüßungsrede betont: „Viele Bilder sollen nicht etwas darstellen, sondern sie sind etwas” und gab unumwunden zu, ein großer Bewunderer von Schuldt und von Lebusa zu sein.
Kristina Schuldt (*1982 in Moskau) zeigte klein- und mittelformatige figürliche Ölmalereien. Die häufig weiblichen Protagonisten ihrer kraftvollen Bilder werden von ihr fast skulptural behandelt. Ihre Figuren sind keine Abbilder sondern Re-Konstruktionen und Neu-Konstruktionen von Frauenbildern. Mit den Mitteln der Malerei – Form, Farbe, Linie – werden Figuren von ihr gebaut, während die Künstlerin gleichzeitig den Bildraum mit Gewalt füllt, mit Sexualität auflädt, in neongrellem Partylicht.
Von Corinne von Lebusa (*1978 in Herzberg) waren Zeichnungen und Collagen in der Ausstellung zu sehen. Auf meist kleinformatigen Papp-Malgründen arbeitet sie mit Zeichenstiften, Aquarell- und Ölfarben und setzt mit Retuschierfirnis formal wie inhaltlich Akzente. In mädchenhaften Basteleien erschafft sie eine vermeintlich heile Märchenwelt, die sich jedoch schnell als Erwachsenenwelt offenbart, in die längst Sex und Gewalt Einzug hielten.
Sowohl Kristina Schuldt als auch Corinne von Lebusa haben bei Neo Rauch studiert, beide thematisieren weibliche Rollenbilder und Vorstellungen von weiblicher Sexualität auf der Grenze zwischen Erotik und Pornografie. Dabei überzeugen die große Eigenständigkeit der künstlerischen Positionen und der souveräne Umgang mit den künstlerischen Mitteln. Trotz der Ernsthaftigkeit und nicht selten Widerborstigkeit der beiden Künstlerinnen auf formaler wie inhaltlicher Ebene sind ihre Werke dennoch von schlichter Schönheit – „Die Ungestümten”!